Weiterbildungsordnung Stand Juli 2017

 I. Voraussetzungen für die Zulassung

- Die Ausbildung im Grundberuf sollte abgeschlossen sein und eine mehrjährige Berufserfahrung nachgewiesen werden.


 II. Antrag zur Zulassung

- Jede/Jeder Interessierte richtet seinen Antrag schriftlich (per E-Mail, per Fax, per Post) an das Sekretariat des BIG.

- Dem Antrag zur Zulassung sind beizulegen:

  1. Ein persönlicher Lebenslauf, aus dem hervorgeht, ob psychotherapeutische oder ähnliche Weiterbildungen oder Behandlungen bereits stattgefunden haben, bzw. noch bestehen.
  2. Kopie des Abschlusszeugnisses, des akademischen Abschlusses, des Approbationszeugnisses oder Bestätigung über die bisherige Berufsausbildung.
  3. Nachweis über Art und Dauer der bisherigen beruflichen Tätigkeit.

- Bevor ein Bewerber/ eine Bewerberin in das Weiterbildungsprogramm aufgenommen werden kann, findet mindestens ein Aufnahmegespräch bei einem Mitglied des WBA des BIG statt.

- Über Zulassung, Auflagen oder Ablehnung des Antrages beschließt der WBA.

Bei Teilnahme an einer Selbsterfahrungsgruppe (GSE) finden zusätzlich zum Aufnahmegespräch Vorgespräche bei den GSE-Leitern statt.


III. Der Vertrag

Nach Zulassung durch den WBA wird zwischen dem/der Weiterbildungsteilnehmer/in und dem Berliner Institut für Gruppenanalyse eine Weiterbildungsvereinbarung geschlossen.
Es wird zudem eine Einzugsermächtigung vereinbart.


IV: Aufbau der Weiterbildung

  • Basiskurs Theorie (40 Doppelstunden)
  • Gruppenselbsterfahrung (= GSE; mindestens 112 Doppelstunden).
    • Die GSE kann in einer 1)geschlossenen, 2)halboffenen (slow open) Gruppe oder 3) durch kontinuierliche Teilnahme in einer laufenden Patientengruppe wahrgenommen werden.
    • Alle Weiterbildungsteilnehmenden in den SE-Gruppen nehmen obligatorisch am vollständigen Programm der Berliner Selbsterfahrungstage teil.
  • Lehrgruppe (eigene Gruppenleitung unter Supervision)
    •  Mindestens 80 Gruppensitzungen mit 45 Supervisionssitzungen.
    • Eine SV Sitzung ist eine Doppelstunde (100 Minuten) Gruppensupervision oder eine Einzelstunde (50 Minuten) Einzelsupervision.
    • Die Supervision findet in der Regel in der Gruppe statt.
    • Eine Paarleitung der Lehrgruppe ist möglich, wenn beide Therapeuten in derselben Supervisionsgruppe den Prozess darstellen können und keine Abhängigkeitsbeziehung besteht. 
    • Bei Paarleitung der Lehrgruppe müssen beide Therapeuten unabhängig voneinander einen Antrag auf Lehrgruppe und eine Abschlussarbeit einreichen.

Die Abschnitte der Weiterbildung (Theorie, Gruppenselbsterfahrung, Supervision) können unabhängig voneinander absolviert werden.

Die Beantragung einer Gruppenbehandlung unter Supervision (eigene Lehrgruppe) setzt die erfolgte und bescheinigte Teilnahme an mindestens 40 Theoriestunden (20 Doppelstunden) und mindestens 40 Doppelstunden Gruppenselbsterfahrung voraus.

Es wird von allen Beteiligten darauf geachtet, dass sich keine Abhängigkeitsverhältnisse in Zweitbeziehungen während der Weiterbildung herstellen.


V: Lehrgruppe unter Supervision

Die Lehrgruppe soll eine gruppenanalytisch geleitete Gruppe sein.
Die Lehrgruppe muss vor Beginn vom WBA (Weiterbildungsausschuss des BIG) genehmigt werden.
Dies geschieht durch einen schriftlichen Antrag an den WBA. Das entspricht der Zulassung zu einem neuen Qualifizierungsschritt.
Aufbau:
1) Vorstellung der GL (wo einzelne WB Abschnitte, wer SV ect.).
2) Die Gruppenmitglieder werden kurz einzeln vorgestellt mit Geschlecht, Alter, Symptomatik, Diagnose, Psychodynamik mit besonderem Augenmerk auf die zu erwartende Gruppendynamik.
3) Vorstellungen und Phantasien der Gruppenmitglieder und der GL über die Entwicklung des Gruppenprozesses, zu erwartender Widerstände und konkrete Szenen der Reinszenierung innerer Konflikte, Beziehungserfahrungen, Rollenfixierungen und Introjekte entwickelt werden.
4) Beschreibung der Rahmenbedingungen der geplanten Lehrgruppe (institutionell, personell, räumlich und zeitlich; „Dynamische Administration“, S.H. Foulkes).
5) Ein dokumentierter Hinweis zur erfolgten Aufklärung der Patienten/Klienten durch den/die Behandler/in im Rahmen des bestehenden Patientenrechtegesetzes, unter denen die beantragte Lehrgruppe stattfinden soll, wird erwartet.

Der gruppenanalytische Prozess wird durch einen vom Institut/ der KV Berlin anerkannten Supervisor/in begleitet (siehe Supervisorenliste BIG).

Lehrgruppen, die im klinisch-/institutionellen Rahmen durchgeführt werden, erfordern Modifikationen bei Antragstellung und Abschlussarbeit (Lehrgruppen in Institution z.B. Klinik_Juni 2017).

Der/die Behandler müssen sich selbst vergewissern, dass sie über eine angemessene Haftpflichtversicherung zu verfügen.


VI: Kurzfassung des Theorie-Curriculums

Das Curriculum enthält:

  • Grundlagen der Gruppenanalyse
  • Konzepte und Methoden der Gruppenanalyse
  • Praxisreflexion der Gruppenanalyse

Die Theorievermittlung beinhaltet fünf didaktische Elemente, die an jedem Ausbildungsblock angeboten werden:

  • Vermittlung der wichtigen theoretischen Ansätze zur gruppenanalytischen Theorie.
  • Kleingruppenarbeit zu Fallvignetten.
  • Anschauliches Erfahren von Gruppenprozessen in Rollenspielen.
  • Gruppenanalytische Fallarbeit (Balint) an und über Gruppen, die die Teilnehmer aus der eigenen Praxis einbringen.
  • Die Reflektion der gemeinsamen Arbeit im Theorieseminar.
  • Vorbereiten der Weiterbildungsteilnehmenden auf das Beschreiben und Beantragen einer möglichen eigenen Lehrgruppe.

VII. Fehlzeiten

Nicht wahrgenommene Theorie-, Selbsterfahrungs- und Supervisionssitzungen müssen nachgeholt werden. Da die Weiterbildung im wesentlichen Teil in den Blockkursen stattfindet, besteht das BIG auf Bezahlung der Kursgebühren, auch wenn ein/e Teilnehmer/in nicht an den Sitzungen teilnehmen kann. Versäumt ein/ Weiterbildungsteilnehmer/in Teile der Weiterbildung, bespricht er mit dem WBA, wie diese versäumten Weiterbildungsteile nachgeholt werden können. Das Nachholen betrifft nicht die Bezahlung, sondern die Inhalte und den Rahmen der Weiterbildung. Grundsätzlich gilt, dass die versäumten und vorher gebuchten Stunden bezahlt werden müssen


VIII. Abschluss

Der qualifizierende Abschluss besteht aus einer Abschlussarbeit und einem Kolloquium (ein 50 minütiges kollegiales Prüfungsgespräch). Die Abschlussarbeit soll max. einen Umfang von 20 Seiten haben, in der der Prozess der Lehrgruppe vorgestellt wird. In der Abschlussarbeit soll nachvollziehbar beschrieben werden, dass der/die Weiterbildungsteilnehmende eine gruppenanalytische Situation herstellen, den Prozess begleiten, fördern und reflektieren kann.

In der Arbeit sollte Folgendes enthalten sein:

- Die Rahmenbedingungen für die Gruppe, d.h. die Reflexion der dynamischen Administration.
- Die Gruppenteilnehmer sollen anonymisiert vorgestellt werden in ihrer Symptomatik, Diagnose, Psycho-/ Gruppendynamik und ihren Veränderungen im Verlauf der Gruppe.
- Der Gruppenverlauf soll am Beispiel von zwei bis drei Fallvignetten verdeutlicht werden, wobei zwei Stundenprotokolle einzubeziehen sind.
- Die reflektierte Gegenübertragung und der Bezug zur gruppenanalytischen Literatur sollen erkennbar werden.

Die Abschlussarbeit ist die Grundlage für das Kolloquium.

Nach mindestens 80 Gruppensitzungen der selbst geleiteten Lehrgruppe und der bestätigten Teilnahme an der regelmäßigen Supervision (mindestens 45 Sitzungen), in einer Gruppensupervision und mit Abgabe der Abschlussarbeit, kann der/die Weiterbildungsteilnehmende einen schriftlichen Antrag auf Zulassung beim WBA zum Kolloquium stellen. Der WBA entscheidet über die Zulassung zum Kolloquium.

Das Kolloquium findet vor dem, für das jeweilige Kolloquium benannten Prüfungsausschuss, statt, an dem die Vertreter der Weiterbildungsteilnehmenden ebenfalls teilnehmen. Das Kolloquium findet nicht öffentlich satt. Auf Antrag können auch andere interessierte Weiterbildungsteilnehmende und Gäste teilnehmen.