Historie

2003

Unter den psychotherapeutisch arbeitenden Kolleg*innen Berlins gab es immer ein reges Interesse an Gruppenanalyse und gruppen­psycho­therapeutischer Praxis.

In den Jahrzehnten der Teilung der Stadt nutzte eine große Zahl psychoanalytisch-klinischer Praktiker*innen West-Berlins die Weiterbildung der gruppenanalytischen Institute in Bonn, Heidelberg, Zürich, Göttingen, Altaussee sowie die Tagungen und Fortbildungsangebote der Sektion Analytische Gruppenpsychotherapie im DAGG. Es bildete sich bis dahin in Berlin kein eigenes Zentrum gruppenanalytischer Diskussion und Weiterbildung; Ansätze gab es jedoch in verschiedenen psychoanalytischen Instituten.
In der DDR hatte sich die Intendierte Dynamische Gruppenpsychotherapie zum wesentlichen Verfahren der Psychotherapie entwickelt und fand in der stationären Psychotherapie breite Anwendung. Im Osten Berlins existierte ein „Fließsystem“ zwischen stationärer und ambulanter Gruppenpsychotherapie, durch das Übergänge zwischen den verschiedenen Settings erleichtert wurden.
Kollegiale Kontakte zwischen Ost- und Westberliner Gruppenpsychotherapeuten waren erschwert; gleichwohl gab es stellenweise einen intensiven Austausch.

Ab 1989 änderte sich die Situation für die gruppenpsychotherapeutisch arbeitenden Kolleg*innen Berlins. In den Berliner psychoanalytischen Instituten beider Teile der Stadt entwickelte sich das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Ort der Diskussion gruppenanalytischer Theorie und Praxis.

Nach einem mehrjährigen Vorlauf mit intensiven Diskussionen zu den unterschiedlichen gruppenpsychotherapeutischen Erfahrungen der Teilnehmer*innen wurde 2003 schließlich das Berliner Institut für Gruppenanalyse (BIG e.V.) gegründet.

Die Verbundenheit der Mitglieder mit den Weiterbildungstraditionen der unterschiedlichen gruppenanalytischen Institute sowie die bereits bestehenden curricularen Ansätze in den psychoanalytischen Instituten ermöglichten eine rasche Entwicklung der Weiterbildung. Die unterschiedlichen Herkünfte aus den psychoanalytischen Schulen und Denkweisen sowie den gruppenpsychotherapeutischen Prägungen sorgen für Vielfalt am Institut. Auch das umfangreiche Programm wissenschaftlicher Diskussion und Fortbildung führte über die Jahre zu einer eigenen gruppenanalytischen Identität des BIG: Die durch die Trennung bewirkte Vielfalt der Erfahrungen an verschiedenen Orten ist in der Zusammenführung zu einer kraftvollen Instituts-Dynamik geworden. Die von Gerhard Wilke (London) geleitete Instituts-Großgruppe ist eine wesentliche Quelle der dynamischen Entwicklung des Instituts.
Im Rückblick auf die Entwicklung wird deutlich, dass es in Berlin erst des freien Raums ohne politische Eingrenzungen und städtische Aufteilungen bedurfte, damit sich die Gruppenanalyse im eigenen Raum kreativ entwickeln konnte.