Weiterbildungsordnung

I. Voraussetzungen für die Zulassung für Gruppenanalyse und -therapie

Berliner Institut für Gruppenanalyse
Stand Juni 2019

Die Ausbildung im Grundberuf (Psychologe, Psychotherapeut, Arzt, Kunst- und Musiktherapeuten) sollte abgeschlossen sein. Eine mehrjährige Berufserfahrung ist erwünscht.

An der Weiterbildung Interessierte mit anderem Grundberuf wenden sich vor Beginn der Weiterbildung an den WBA (Weiterbildungsausschuss des BIG), um individuell die Voraussetzungen für einen Abschluss zu klären.

II. Antrag zur Zulassung

Jede/Jeder Interessierte richtet seinen Antrag schriftlich (per E-Mail, per Fax, per Post) an das Sekretariat des BIG.

Dem Antrag zur Zulassung sind beizulegen:

  1. Ein persönlicher Lebenslauf, aus dem hervorgeht, ob psychotherapeutische oder ähnliche Weiterbildungen oder Behandlungen bereits stattgefunden haben, bzw. noch bestehen.
  2. Kopie des Abschlusszeugnisses, des akademischen Abschlusses, des Approbationszeugnisses oder Bestätigung über die bisherige Berufsausbildung.
  3. Nachweis über Art und Dauer der bisherigen beruflichen Tätigkeit.

Bevor ein Bewerber/ eine Bewerberin in das Weiterbildungsprogramm aufgenommen werden kann, nimmt der/die sich Bewerbende an einem Informationsabend des Institutes teil.

Falls dies (aus terminlichen Gründen) nicht möglich ist, findet mindestens ein Interview bei einem Mitglied des WBA des BIG statt (für Bewerber ohne medizinisch/psychologische oder psychotherapeutische Vorerfahrung ist das Einzelinterview verbindlich).

Über Zulassung, Auflagen oder Ablehnung des Antrages beschließt der WBA.
Wenn der Weiterbildungsvertrag zwischen Weiterbildungsteilnehmer/in und dem BIG geschlossen wurde, gelten folgende Schritte: Während für die alleinige Teilnahme am Theoriekurs die Anmeldung ausreicht, findet bei Aufnahme und geplanter Teilnahme an einer Selbsterfahrungsgruppe (GSE), ein Vorgespräch bei den GSE-Leitern statt. Dasselbe gilt auch vor Beginn einer Supervision.

III. Abschluss der Weiterbildungs-Vereinbarung

Nach Zulassung durch den WBA wird zwischen dem/der Weiterbildungsteilnehmer/in und dem Berliner Institut für Gruppenanalyse eine Weiterbildungsvereinbarung geschlossen.

IV. Aufbau der Weiterbildung

Die Weiterbildung setzt sich zusammen aus:

  • Basiskurs Theorie (40 Doppelstunden),
  • Gruppenselbsterfahrung (= GSE; mindestens 112 Doppelstunden). Die GSE kann in einer geschlossenen Gruppe wahrgenommen werden, in einer halboffenen (slow open) Gruppe oder durch kontinuierliche Teilnahme in einer laufenden Patientengruppe. Alle Weiterbildungsteilnehmenden in den SE-Gruppen nehmen obligatorisch am vollständigen Programm der Berliner SE-Tage teil.
  • Lehrgruppe (eigene Gruppenleitung unter Supervision): mindestens 80 Gruppensitzungen, selbst geleitet, werden durch mindestens 45 Supervisionssitzungen begleitet. Die Supervision findet in der Regel in der Gruppe statt.

Die Abschnitte der Weiterbildung (Theorie, Gruppenselbsterfahrung, Supervision) können unabhängig voneinander absolviert werden.

Die Beantragung einer Gruppenbehandlung unter Supervision (eigene Lehrgruppe) setzt die erfolgte und bescheinigte Teilnahme an mindestens 40 Theoriestunden (20 Doppelstunden) und mindestens 40 Doppelstunden Gruppenselbsterfahrung, bei einem durch das Institut anerkannten Gruppenselbsterfahrungsleiter voraus.

Es wird von allen Beteiligten darauf geachtet, dass sich keine Abhängigkeitsverhältnisse in Zweitbeziehungen während der Weiterbildung herstellen.

V. Lehrgruppe unter Supervision

  1. Die Lehrgruppe ist eine gruppenanalytisch geleitete Gruppe. Die Lehrgruppe muss vor Beginn vom WBA genehmigt werden. Dies geschieht durch einen schriftlichen Antrag an den WBA. Das entspricht der Zulassung zu einem neuen Qualifizierungsschritt.
  2. Die Gruppenmitglieder werden darin einzeln vorgestellt mit Geschlecht, Alter, ihrer Symptomatik, Diagnose, Psychodynamik, die die Gruppendynamik einschließt. In der Beschreibung der einzelnen Gruppenmitglieder sollen deren bisherige Gruppenerfahrungen berücksichtigt werden. Wichtiger Bestandteil des Antrags ist zudem eine Beschreibung der Rahmenbedingungen der geplanten Lehrgruppe (institutionell, personell, räumlich und zeitlich; „Dynamische Administration“, S.H. Foulkes). Einen Ausblick auf den zu erwartenden Gruppenprozess, beispielsweise in Form einer Gruppenfantasie, ist Teil des Antrags..
  3. Ein dokumentierter Hinweis zur erfolgten Aufklärung der Patienten/Klienten durch den/die Behandler/in im Rahmen des bestehenden Patientenrechtegesetzes, unter denen die beantragte Lehrgruppe stattfinden soll, wird erwartet.
  4. Der gruppenanalytische Prozess wird durch einen vom Institut anerkannten Supervisor/in begleitet.
  5. Lehrgruppen, die im klinisch-/institutionellen Rahmen durchgeführt werden, erfordern Modifikationen bei Antragstellung und Abschlussarbeit (siehe Anhang).
  6. Der/die Behandler tragen für sich selbst die Verantwortung über eine berufliche Haftpflichtversicherung zu verfügen.
  7. Lehrgruppen in Paar-Leitung: Lehrgruppen können in Paar-Leitung von zwei Ausbildungsteilnehmern durchgeführt werden. Der Antrag auf Lehrgruppe ist von beiden Behandlern unabhängig zu stellen, so dass die eigene Perspektive auf die Gruppe deutlich wird. Die gemeinsame Supervision ist in jedem Fall für beide Gruppenpsychotherapeuten (Gruppenleiter) verbindlich.

VI. Kurzfassung des Theorie-Curriculums

Das Curriculum enthält:

  • Grundlagen der Gruppenanalyse
  • Konzepte und Methoden der Gruppenanalyse
  • Praxisreflexion der Gruppenanalyse

Die Theorievermittlung beinhaltet fünf didaktische Elemente, die an jedem Ausbildungsblock angeboten werden:

  • Vermittlung der wichtigen theoretischen Ansätze zur gruppenanalytischen Theorie.
  • Kleingruppenarbeit zu Fallvignetten.
  • Anschauliches Erfahren von Gruppenprozessen in Rollenspielen.
  • Gruppenanalytische Fallarbeit (Balint) an und über Gruppen, die die Teilnehmer aus der eigenen Praxis einbringen.
  • Die Reflektion der gemeinsamen Arbeit im Theorieseminar.
  • Vorbereiten der Weiterbildungsteilnehmenden auf das Beschreiben und Beantragen einer möglichen eigenen Lehrgruppe.

VII. Anrechnung von Fortbildungen am BIG

Über die Anrechnung von extern absolvierten Qualifikationen entscheidet der WBA auf Antrag. Stunden aus den vom BIG angebotenen Workshops können zu 50% für die geforderten Theoriestunden anerkannt werden. Die 50%-Regelung gilt auch wenn Fehlstunden des Theorieseminars durch externe Veranstaltungen (z.B. D3G zertifizierte Tagungen) angerechnet werden sollen.

VIII. Fehlzeiten

Nicht wahrgenommene Theorie-, Selbsterfahrungs- und Supervisionssitzungen müssen nachgeholt werden (siehe VI.). Da die Weiterbildung im wesentlichen Teil in den Blockkursen stattfindet, besteht das BIG auf Bezahlung der Kursgebühren, auch wenn ein/e Teilnehmer/in nicht an den Sitzungen teilnehmen kann. Versäumt ein/ Weiterbildungsteilnehmer/in Teile der Weiterbildung, bespricht er mit dem WBA, wie diese versäumten Weiterbildungsteile nachgeholt werden können.

Das Nachholen betrifft nicht die Bezahlung, sondern die Inhalte und den Rahmen der Weiterbildung.

Grundsätzlich gilt, dass die versäumten und vorher gebuchten Stunden bezahlt werden müssen.

IX. Abschluss

Der qualifizierende Abschluss besteht aus einer Abschlussarbeit und einem kollegialem Abschlussgespräch.

Nach mindestens 80 Gruppensitzungen der selbst geleiteten Lehrgruppe und der bestätigten Teilnahme an der regelmäßigen Supervision (mindestens 45 Sitzungen), in einer Gruppensupervision und mit Abgabe der Abschlussarbeit, kann der/die Weiterbildungsteilnehmende einen schriftlichen Antrag auf Zulassung beim WBA zum Kolloquium stellen. Der WBA entscheidet über die Zulassung.

Die Abschlussarbeit soll max. einen Umfang von 20 Seiten haben, in der der Prozess der Lehrgruppe vorgestellt wird. In der Abschlussarbeit soll nachvollziehbar beschrieben werden, dass der/die Weiterbildungsteilnehmende eine gruppenanalytische Situation herstellen, den Prozess begleiten, fördern und reflektieren kann.

In der Arbeit sollte Folgendes enthalten sein:

  • Die Rahmenbedingungen für die Gruppe, d.h. die Reflexion der dynamischen Administration.
  • Die Gruppenteilnehmer sollen anonymisiert vorgestellt werden in ihrer Symptomatik, Diagnose, Psycho-/ Gruppendynamik und ihren Veränderungen im Verlauf der Gruppe.
  • Der Gruppenverlauf soll am Beispiel von zwei bis drei Fallvignetten verdeutlicht werden, wobei ein Stundenprotokoll einbezogen wird.
  • Die reflektierte Gegenübertragung und der Bezug zur gruppenanalytischen Literatur sollen erkennbar werden.
  • Die Abschlussarbeit ist die Grundlage für das Kolloquium.

Das kollegiale Abschlussgespräch findet mit Vertreten des WBA oder dafür jeweils ausgewählten Mitgliedern des BIG statt. Das Abschlussgespräch ist nicht öffentlich. Auf Antrag können jedoch auch andere interessierte Weiterbildungsteilnehmende und Gäste teilnehmen.

IX. Kosten

  • Interviews (Einzelinterview) € 80,00
  • Aktuelle Weiterbildungsgebühren pro Doppelstunde Theorie, GSE € 49,00
    Auf Antrag an den Vorstand kann eine Reduktion auf € 39,00 für jeweils ein Jahr beantragt werden.
  • Gebühren für Supervisionssitzungen in der Gruppe mit
    - vier Teilnehmenden pro Teilnehmenden betragen € 50,00,
    - bei drei Teilnehmenden € 65,00,
    - bei zwei € 80,00.
    Die Sitzungen werden halbjährlich mit dem/der Supervisor/in vereinbart.
  • Gebühr für das Kolloquium zum qualifizierenden Instituts-Abschluss € 155,00

Die Kurs/Seminargebühren sind jeweils vor Beginn des einzelnen Wochenendblocks zu entrichten (oder mit einer Einmalzahlung vor Beginn der gesamten Qualifizierung für Theorie oder GSE mit einem Skonto von 5%) auf das Konto des BIG zu überwiesen:

Deutsche Ärzte- und Apothekerbank
IBAN: DE28 3006 0601 0005 9542 90
BIC: DAAEDEDDXXX

Anhang

I. Antrag auf Lehrgruppe im ambulanten Setting

  1. Beschreibung des Settings, des Rahmens der Lehrgruppe, der Finanzierung, der Zusammensetzung der Teilnehmer, Ort, Zeit, Leitung, Supervision, dynamische Administration.
  2. Vorstellung der einzelnen Gruppenteilnehmer mit Symptomatik, Psychodynamik inklusive der Gruppendynamik in Verbindung mit dem relevanten biographischen Kontext, der Diagnose und der Behandlungsplanung.
  3. Ausblick auf den Gruppenprozess.

II. Antrag auf Lehrgruppe in einem stationären Setting

  1. Beschreibung des Settings, der Institution und des Rahmens, Finanzierung, Supervision, Zusammensetzung der Patienten/ Teilnehmer, deren Aufenthaltsdauer in der Gruppe, sowie die Beschreibung und Reflexion anderer Bedingungen, institutionelle Besonderheiten/ Leitungshierarchien/ Vorgaben des Trägers, Teamdynamik, weiterer Umstände, die das Gruppengeschehen beeinflussen.
  2. Vorstellung der einzelnen Gruppenteilnehmer mit Symptomatik, Psychodynamik, Gruppendynamik, der Diagnose und der Behandlungsplanung. ( Dies kann im stationären Zusammenhang oft nur eine Momentaufnahme sein, da sich die Zusammensetzung der Teilnehmer rasch ändert.)
  3. Ausblick auf den Gruppenprozess oder bei fortlaufenden Gruppen Beschreibung des aktuellen Gruppenprozesses.

III. Abschlussarbeit

Die Abschlussarbeit soll max. einen Umfang von 20 Seiten haben, in der der Prozess der Lehrgruppe vorgestellt wird.

In der Abschlussarbeit soll nachvollziehbar beschrieben werden, dass der/die Weiterbildungsteilnehmende eine gruppenanalytische Situation herstellen, den Prozess begleiten, fördern und reflektieren kann. In der Arbeit sollte Folgendes enthalten sein:

  1. Die Rahmenbedingungen für die Gruppe, d.h. die Reflexion der dynamischen Administration. (Im stationären Setting Darstellung institutioneller Besonderheiten – siehe Antrag Lehrgruppe)
  2. Die Gruppenteilnehmer sollen anonymisiert vorgestellt werden in ihrer Symptomatik, Diagnose, Psycho-/ Gruppendynamik und ihren Veränderungen im Verlauf der Gruppe.
  3. Der Gruppenverlauf soll am Beispiel von zwei bis drei Fallvignetten verdeutlicht werden, wobei ein Stundenprotokoll einbezogen wird. Die Matrix der Gruppe mit ihren komplexen Übertragungen, Gegenübertragungen sowie wahrnehmbaren Widerständen werden im Prozess punktuell erkennbar. Dies können die Darstellung von Gruppensitzungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten sein oder eine genauere Betrachtung einer Gruppenphase, als Block mehrerer aufeinanderfolgender Sitzungen.
  4. Die reflektierte Gegenübertragung und der Bezug zur gruppenanalytischen Literatur sollen nachvollzogen werden können.

Wurde die Gruppe in Paar- Leitung durchgeführt, ist die Abschlussarbeit unabhängig voneinander zu formulieren, so dass die eigene Perspektive und die Dynamik als Paar im gruppentherapeutischen Prozess deutlich werden.